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Bericht über den Vortrag
„Vom Krisenmanagement zum Wirtschaftswachstum“
Fallstudie Ungarn

Der Club Pannonia organisierte am 26. April 2018 an der ungarischen Botschaft in Wien einen wissenschaftlichen Vortrag mit dem Titel „Vom Krisenmanagement zum Wirtschaftswachstum“. Dániel PALOTAI, Chefökonom und geschäftsführender Direktor der Ungarischen Nationalbank sprach über die größten Ergebnisse der ungarischen Wirtschaftspolitik von 2010, vom erfolgreichen Krisenmanagement bis zur nachhaltigen Entwicklung.

Der Botschafter Dr. János Perényi begrüßte das Publikum und bedankte sich bei Marika RADDA, der Präsidentin des Club Pannonia für die Organisation der Veranstaltung. Frau Radda begrüßte auch Dániel Palotai und bat ihn, seinen Vortrag zu halten.

Im ersten Teil des Vortrages berichtete Dániel PALOTAI über die strukturellen Probleme und über die verfehlte Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre vor 2010. Die Wachstumsrate der ungarischen Wirtschaft war damals auf fast Null gefallen. Das Haushaltsdefizit war etwa doppelt so groß wie im Durchschnitt der Visegrád-Länder. Die Inlandsinflation lag dauerhaft über dem Ziel der Ungarischen Nationalbank. Diese Probleme hatte die Auswirkung, dass Ungarn eine schwere Rezession geriet.

Dániel PALOTAI wies auf die Notwendigkeit einer vollständigen Erneuerug der Wirtschaftspolitik 2010 hin, um diese Krise erfolgreich zu bewältigen. Wichtig war die Sicherstellung des makrofinanziellen Gleichgewichts und des Wirtschaftswachstums. Die ungarische Regierung konnte die Wirtschaftspolitik mit Hilfe der richtigen Kombination von Maßnahmen, die Reformen verwirklichen und gleichzeitig die Wirtschaft stabilisieren. Ungarn wählte - im Gegensatz zu den Mittelmeerländern der Eurozone - nicht die Einschränkungen von internationalen Organisationen, sondern gab auf die wirtschaftspolitischen Herausforderungen gezielte, spezifische Antworten, womit das wirtschaftliche Gleichgewicht und Wachstum gleichzeitig gewährleistet werden konnte.

Es waren sowohl Fiskal- als auch die Geldpolitik notwendig, um eine Wende zu erreichen. Die strukturelle Transformation des Steuersystems war ein entscheidendes Element, weil dadurch der Anteil der Arbeitssteuer gesenkt werden konnte. Gleichzeitig stieg der Anteil der Verbrauchersteuer an. Weiters wurden auch Steuerentlastungen für Familien eingeführt und gleichzeitig wurde die Eindämmung der Schattenwirtschaft bekämpft. Wichtig war auch die online-Verbindung der Kassen mit der Steuerbehörde, wodurch eine deutliche Verbesserung des Budgets ohne Steuererhöhung erreicht werden konnte. Während dieser Zeit sank die Arbeitslosigkeit auf ein historisches Tief.

Auch das private Rentensystem wurde reformiert, sodaß all diese Maßnahmen Eckpfeiler der Haushaltskonsolidierung geworden sind. Das Haushaltsdefizit blieb nach 2011 stetig unter dem Grenzwert von 3 % und die Staatsverschuldung wurde gesenkt. Für die Nationalbank war das Erreichen der Preisstabilität das Wichtigste.

Zum Abschluss wies der Chefökonom darauf hin, dass laut Prognosen nach 2018 das Wirtschaftwachstum in Ungarn auf über 4 % steigen könne.

Stefan RADDA, Präsident des Runden Tisches der ungarischen Organisationen in Österreich bedankte sich bei Dániel PALOTAI für die umfassende Präsentation und bat ihn, die Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Bei den Antworten sagte Herr PALOTAI, dass Ungarn eine nachhaltige Konvergenz bevorzugt, statt den EURO sobald wie möglich einzuführen. Er betonte auch, dass das Vertrauen der internationalen Investoren in Ungarn in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Dieser positive Trend wird allmählich auch in den Kreditbewertungen sichtbar.

Die Veranstaltung endete mit einem Empfang, bei dem die Teilnehmer zu einem informellen Gespräch eingeladen wurden.

Schriftführer: Stefan Radda

FOTOS von István FILEP