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Bericht über den Stand des Seligsprechungsverfahrens von
Kardinal József Mindszenty

Der Club Pannonia organisierte in Kooperation mit der Botschaft von Ungarn am 12. September 2018 einen Vortragsabend mit Erzherzog Michael von Habsburg-Lothringen, Präsident der Kardinal Mindszenty-Stiftung über den „Stand des Seligsprechungsverfahrens“.
An der Veranstaltung nahmen knapp 130 Gäste teil, Ehrengäste waren der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan ZURBRIGGEN, Dipl.Theol. Dipl.Ing. János VARGA, Rektor des Collegium Pazmaneum in Wien, Christian J. WINDER, Honorarkonsul für Ungarn in Tirol/Innsbruck, Prof. Pater DDr. Marian GRUBER, Vorstand des Instituts für Philosophie an der Hochschule Heiligenkreuz, Stephan LÖWENSTEIN, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Pater Joachim RICHTER LC, Haus-Oberer der Ordensgemeinschaft Legionäre Christi in Wien.

Zunächst begrüßte S.E. Dr. Andor NAGY, Botschafter von Ungarn, das Publikum. Er erwähnte, dass Kardinal József Mindszenty ein Held, das Symbol des Widerstandes gegen den Kommunismus war.

Anschließend sprach Marika RADDA, Präsidentin des Club Pannonia einige Grußworte und erzählte kurz aus dem Leben des Kardinals.

Erzherzog Michael von HABSBURG-Lothringen, Präsident der Kardinal Mindszenty-Stiftung, betonte zuerst, dass Kardinal Mindszenty für die letzten vier Jahre seines Lebens in Wien Zuflucht gefunden hat. Diese letzten vier Jahre hat er damit verbracht – trotz seines hohen Alters – seine in alle Welt verstreuten Landsleute aufzusuchen, zu trösten, zu stärken und sie seelsorgerisch zu betreuen.

Die heutige Geschichtsforschung nennt ihn einen der herausragendsten Persönlichkeiten, nicht nur der Kirche, sondern der Geschichte der letzten Jahrhunderte Ungarns überhaupt.

Der Kardinal selbst hat einmal gesagt: „Die Zeit ist der engste Verbündete der Wahrheit!“ Er hat sich sein ganzes Leben lang für diese Wahrheit eingesetzt – dafür hat er 23 Jahre in Kerkern, Gefängnissen und Isolation verbracht. Dadurch wurde er zur Symbolfigur des Widerstandes gegen das totalitäre Regime des 20. Jahrhunderts, sowohl gegen die braune als auch gegen die rote Diktatur.

Erzherzog Michael von HABSBURG-Lothringen erläuterte, wie das Seligsprechungsverfahren von Kardinal Mindszenty zustande kommt und wie es abläuft.

Grundsätzlich sind – wie wir wissen – alle getauften Christen zur Heiligkeit gerufen – ja berufen. Von der Kirche erklärte Selige und Heilige sind zuerst die Märtyrer, die bereit sind für ihren Glauben zu sterben und auch solche Menschen, die wegen ihres heiligmäßigen Lebens verehrt werden und auf deren Fürsprache Wunder geschehen.

Beim Grade der Heiligkeit gibt es zwischen Seligen und Heiligen keinen Unterschied – ein Seliger wird meistens in einer Ortskirche oder Region verehrt, ein Heiliger überall in der Kirche weltweit.

Für eine Seligsprechung braucht es ein von der Kirche anerkanntes Wunder – darin erkennt die Kirche das Einverständnis Gottes – für eine Heiligsprechung ist ein zweites Wunder nach der Seligsprechung erforderlich.

Kardinal Mindszenty starb am 6. Mai 1975 in Wien, im Alter von 83 Jahren. Zum Seligsprechungsverfahren mussten erst die vorgeschriebenen 5 Jahre nach dem Tode des Kardinals abgewartet werden. Die Kardinal Mindszenty-Stiftung wurde 1972 zur Unterstützung der Ungarischen Kirche im Exil vom Kardinal persönlich gegründet, wobei er selbst der Präsident war.

Der Postulator hat die Hauptaufgabe das Leben und die Werke des Seligsprechungs-Kandidaten zu studieren und Nachforschungen über seinen Ruf der Heiligkeit zu betreiben. Das war der Salesianerpater János Szőke, Mitglied des Kuratoriums der Kardinal Mindszenty-Stiftung. Zunächst musste eine kritische Biographie erstellt werden. Danach mussten sämtliche Schriften des Kardinals – veröffentlichte und nicht veröffentlichte – gesammelt und historisch und theologisch überprüft werden.

Die nächste sehr große Aufgabe war die Befragung der Zeugen, zur Ermittlung der heroisch gelebten Tugenden – in diesen Jahren des Kommunismus in Ungarn eine gefährliche Aufgabe – die Pater Szőke mit großem Mut ausführte.

1996 konnten Pater Szőke und Erzherzog Michael von Habsburg-Lothringen das gesamte Material in den Vatikan nach Rom bringen, nachdem vorher alles in eine der zugelassenen Arbeitssprachen (in diesem Fall Italienisch) übersetzt worden war.

In Rom musste ein dortiger Postulator ernannt werden, Avvocato Ambrosi (Kaiser Karl, Edith Stein, Johannes XXIII) und die Seligsprechungskongregation ernannte damals den Relator, Pater Adam Somorjai – heute ist es Padre Vincenzo Criscuolo, ein Kapuzinerpater.

Nach der Prüfung der Unterlagen durch die Kongregation erfolgte das „Nihil Obstat“, d.h. dem Beginn des Verfahrens im Vatikan stand nichts mehr im Wege.

Jetzt konnte mit der großen Aufgabe der „Positio“ begonnen werden. Das ist die in chronologischer Reihenfolge abgefasste Darstellung des Lebens und Wirkens des „Diener Gottes“, wie er ab jetzt genannt werden darf.

Diese Positio soll die heroische Ausübung der Tugenden beweisen: Das sind Glaube, Hoffnung, Liebe, sowie Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung – die 7 sogenannten Kardinaltugenden. Die Fertigstellung dieser Positio hat sage und schreibe mehr als 20 Jahre gedauert.

Der große, wunderbare Durchbruch ist dieses Jahr geschehen: Am 14. Juni hat die Consulta dei Teologi, die Theologen Consulta, bestehend aus 6 Consultoren, nach gründlichem Studium der Positio ihr Votum abgegeben. Noch vor Jahresende wird dieses Urteil – so Gott will – an die Congregatio der Kardinäle und Bischöfe weitergeleitet. Ist deren Meinung ebenfalls mehrheitlich zustimmend, wird bereits ein diesbezüglicher Bericht an den Papst gerichtet. Dieser verkündet dann das von allen so lange erwartete Dekret über den heroischen Tugendgrad des Diener Gottes Kardinal Mindszenty – der ab jetzt „Venerabilis“, „Verehrungswürdig“ genannt werden darf.

Für die Seligsprechung wird jetzt ein ordnungsgemäß approbiertes Wunder verlangt. Die wunderbare Heilung eines krebskranken Mannes hat in Budapest vor vielen Jahren auf die Fürsprache von Kardinal Mindszenty bereits stattgefunden.

Wir sind zuversichtlich, dass die Consulta der sachverständigen Ärzte positiv sein wird. Noch einmal werden die Kardinäle und Bischöfe befragt: Stimmt die Congregatio mit der notwendigen Mehrheit dem vorgetragenen Wunder zu, dann trägt der Kardinal Präfekt das Ergebnis dem Papst in Audienz vor.

Damit sind alle Hürden genommen und unser verehrter Kardinal kann endlich Seliggesprochen werden.

Es bestand die Möglichkeit, im Anschluss an den Vortrag Fragen zu stellen. Stefan RADDA, Vorstandsmitglied des Club Pannonia, hat die Fragestellungen moderiert und geleitet. Erzherzog Michael von HABSBURG-Lothringen wurde u.a. über seine persönliche Inspiration/Motivation befragt und er sagte, dass er in erster Linie den Mut des Kardinal bewundert. Er hatte nämlich den Mut, für seine Überzeugung einzutreten, die Wahrheit auszusprechen.

Nach dem höchst informativen Vortrag bat der Botschafter, Dr. Andor NAGY, das Publikum zum Buffet.

Bericht von Csilla Fazekas